Toxische Menschen loswerden: Geschichte der Wolke
Manchmal begleiten uns toxische Menschen so lange, dass sie irgendwann wie selbstverständlich zu unserem Alltag gehören. Wir gewöhnen uns daran, sie mitzuschleppen, uns anzupassen oder sie zu entschuldigen. Doch auf Dauer lassen sie uns von innen heraus frieren, selbst wenn überall um uns herum die Sonne scheint. So ergeht es auch Mary in dieser Nachdenkgeschichte. Sie fragt sich, wie sie bloß diese fiese Regenwolke loswird, die ihr auf Schritt und Tritt folgt und einfach nicht verschwinden will.
Die Wolke – eine Geschichte zum Nachdenken
Der Tag begann warm und friedlich. Mary schloss die Haustür hinter sich, verstaute den Schlüssel in ihrer Tasche und atmete tief ein. Sie hatte beschlossen, einen Spaziergang zu machen. Einfach nur, um sich die Beine zu vertreten und den Kopf freizubekommen. Doch kaum war sie fünf Schritte gegangen, fiel ein dunkler Schatten auf sie hinab. Sie blickte hoch und sah eine graue Regenwolke, die genau über ihr hing. Rundherum strahlte der Himmel in klarem Blau, nur bei ihr sah es verdächtig nach Unwetter aus. „Seltsam“, murmelte Mary, stellte den Jackenkragen auf und ging weiter. Die Wolke folgte ihr lautlos.
Als die ersten Tropfen auf ihre Stirn fielen, beschleunigte sie den Schritt. Die Wolke tat es ihr gleich. „Was will die bloß von mir?“, dachte Mary, warf einen weiteren sorgenvollen Blick nach oben und hoffte, das Unheil würde von alleine verschwinden. Aber die Wolke dachte gar nicht daran und heftete sich an sie, als wäre sie ein Teil von ihr.
Flüchten, verstecken, entschuldigen?
Beim nächsten Spaziergang war die Wolke wieder da, kaum dass Mary ihr Haus verlassen hatte. Sie ging in den nächsten Shop und kaufte einen großen, bunten Regenschirm. Doch kaum hatte sie ihn draußen aufgespannt, riss ein Windstoß ihn ihr auch schon wieder aus der Hand. Er schleuderte quer über den Weg und blieb schließlich am Straßenrand liegen. Ein Mann, der gerade noch ausweichen konnte, schüttelte den Kopf und murmelte etwas, das Mary nicht verstand.
Am dritten Tag versuchte sie wegzulaufen. Sie bog in Seitenstraßen ab, wechselte die Richtung, versteckte sich unter einem Vordach. Doch sobald sie wieder hinaustrat, wartete die Wolke bereits dort und ihr Inhalt tröpfelte auf sie nieder. Niemand sonst wurde nass. Nur Mary. „Habe ich dir irgendwas getan?“, rief sie eines Abends erschöpft und wischte sich das Wasser aus dem Gesicht. „Wenn ja, tut es mir leid.“ Die Wolke antwortete nicht. Sie blieb einfach nur über ihr: bedrückend, schwer, unverändert.
Der Blick nach vorn
Mary wurde immer stiller und trauriger. Doch irgendwann reichte es ihr. Sie hatte sich einen regendichten Mantel zugelegt. Nun schlüpfte sie in ihn hinein wie in eine Ritterrüstung und ging vor die Tür, wo die Wolke bereits wie gewohnt auf sie wartete. Mary stellte sich aufrecht hin und sah das graue Etwas mit festem Blick an. „Hör zu“, sagte sie. „Ich werde nicht mehr vor dir weglaufen, ich werde mich nicht verstecken und mich auch nicht mehr bei dir entschuldigen. Du kannst regnen, so viel du willst. Es kümmert mich nicht. Ich mache, was ich für richtig halte, und das ist gut so.“ Sie zog sich mit einem Ruck die Kapuze ihres Regenmantels wie ein Schutzschild über den Kopf und marschierte los. Ohne wackeligen Schirm, ohne Flucht, ohne Eile. Die Wolke folgte ihr, immer noch dicht bei ihrem Kopf, doch Mary ignorierte sie. Stattdessen setzte sie ein leises Lied an, sah die Häuser, die Blumen, die Menschen. Zum ersten Mal seit Langem war ihr Blick nicht nach oben gerichtet, sondern nach vorn.
Toxische Menschen sind wie dunkle Regenwolken
Die Wolke regnete, aber Mary blieb trocken. Der Mantel schützte sie gut. „Ich weiß, dass du noch da bist“, flüsterte sie. „Aber du bestimmst nicht mehr, wann und wie ich wohin gehe.“ Mit jedem Spaziergang schien die Wolke ein Stück weiter nach oben zu steigen. Ab und zu regnete sie noch, aber immer seltener traf ein Tropfen Marys Gesicht. Wochen vergingen. Eines Abends saß sie auf einer Bank am Fluss. Das Wasser glitzerte und über ihr brach die Sonne durch. Helles, warmes Licht hüllte sie ein und Mary lächelte. Sie wusste, dass sie der Wolke die Anwesenheit nicht verbieten konnte, aber wie sie mit ihr umging, und ob sie sich von ihr beeinflussen ließ, lag ganz allein in ihrer eigenen Hand.

Mary läuft durch ihre sonnige Heimatstraße, es gibt nur eine Regenwolke und die hängt allein über ihr. Ein Symbol dafür, wie belastend ein toxischer Mensch im persönlichen Umfeld sein kann. Zumindest so lange, bis wir uns aktiv dafür entscheiden, das nicht mehr länger mitzumachen. Foto: ChatGPT
Meine Gedanken über toxische Menschen
Viele von uns tragen ihre ganz persönliche Art der Regenwolke mit sich durchs Leben. Sie kann wie Marys Exemplar plötzlich auftauchen oder schon seit Jahren leise mitziehen. Die Auslöser zur Entstehung solcher Wolken sind vielfältig, aber toxische Menschen haben ein besonderes Händchen dafür, sie uns heimlich, still und leise unterzujubeln. Jemand, der uns klein macht. Der hier und da Kommentare fallen lässt, die unschuldig wirken, aber trotzdem verletzen. Der uns erst freundlich lockt und dann wieder eine Stimme in den Kopf pflanzt, die uns ständig folgt, die zweifelt, kritisiert und abwertet.
Die Angriffe wirken wie kleine, toxische Tropfen, die unser Selbstvertrauen und unsere Freude Stück für Stück vergiften. Vielleicht denken wir: Ach, so schlimm ist dieser eine Spruch ja eigentlich gar nicht gewesen. Wir hoffen, dass sich das Thema von allein erledigt, ducken uns weg oder ertragen es einfach. Doch so laufen wir nur im Kreis. Erst wenn wir bewusst Grenzen setzen, unseren Regenmantel als Schutzhülle aus dem Schrank holen und der Wolke über uns keine Aufmerksamkeit mehr schenken, zieht sie weiter. Niemand ist zu alt und es ist niemals zu spät, um sich aus dem Klammergriff toxischer Menschen zu lösen.
Tarot-Reflexion
Diese Nachdenkgeschichte der Wolke zum Thema toxische Menschen trägt die Energie der Tarotkarte „Die Königin der Schwerter“ in sich. Sie steht für Klarheit, Selbstachtung und die Fähigkeit, Grenzen zu ziehen, ohne sich in Dramen zu verheddern. Ihr Schwert trennt, was nicht mehr gut tut. Mary spürt irgendwann, dass Entschuldigungen, Erklärungen und Hoffnungen sie nur weiter durchnässen. Erst mit klaren Worten und entschlossener Abgrenzung beginnt die Veränderung.

Hast du es auch gerade mit einem toxischen Menschen zu tun? Dann lädt dich die Königin der Schwerter heute ein, dich zu fragen: Wo in deinem Leben reagierst du noch auf eine „Regenwolke“ über dir, die längst zu viel Raum bekommen hat? Und wann willst du dich endlich davon abgrenzen, damit sie weiterziehen kann?
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