Hindernisse überwinden: Geschichte der Mauer

Manchmal stehen wir im Leben plötzlich vor einer Mauer. Sie ist nicht unbedingt aus Stein. Meistens besteht sie entweder aus Ängsten, Zweifeln oder Grenzen, die wir uns selbst gesetzt haben, oder aus einer Blockade, die andere uns aufzwingen. Wir rennen dagegen an, versuchen, sie zu durchbrechen, und doch bleibt sie stehen. So ergeht es auch einem Wanderer in dieser Nachdenkgeschichte, der vor der Wahl steht, umzukehren oder nach einem funktionierenden Weg zu suchen.

Die Mauer – eine Geschichte zum Nachdenken

Die Wanderer Hans und Franz begegneten einander an einem stillen Nachmittag auf einem schmalen Pfad, der sich durch Felder und Hügel zog. Vor ihren Augen ragte eine hohe, verwitterte Steinmauer auf. Franz blieb davor stehen, sah erst hinauf, dann nach links und rechts. Dort war weder ein Ende noch ein Durchgang in Sicht. „Hier ist wohl Schluss“, murmelte er. „Da kommt keiner drüber.“ Er setzte sich ins Gras, stützte den Kopf in die Hände und wartete darauf, dass sich irgendetwas zu seinen Gunsten veränderte. Aber es tat sich nichts, die Mauer blieb, wo sie war.
Hans trat näher an die Mauer heran, legte die Hand auf den rauen Stein und sah ebenfalls hinauf. „Vielleicht“, sagte er leise, „aber ich will es wenigstens probieren.“ Er suchte Halt in den unebenen Fugen, kletterte los, rutschte jedoch schnell ab und fiel zurück ins Gras. Nachdem er sich wieder aufgerappelt hatte, klopfte Hans den Staub von seiner Hose und sah sich um.

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Am Wegrand stand eine kleine Hütte. Ein alter Mann saß davor und beobachtete die beiden Wanderer. Er schüttelte langsam den Kopf, als ihre Blicke sich trafen. „Da kommt ihr nicht weiter“, rief er. „Am besten kehrt ihr um.“
„Aber mein Ziel liegt in dieser Richtung, es muss doch irgendeine Möglichkeit geben“, rief Hans zurück. Er blickte zurück zur Mauer und dachte nach. „Können Sie mir eine Schaufel leihen?“, fragte er schließlich.
Der Alte seufzte, verschwand kurz und reichte ihm eine. Hans begann, zu graben, bis ihm der Schweiß in den Nacken rann und die Handflächen wund wurden. Doch auch unterhalb der Mauer war nur Stein. Kein Durchkommen. Er kehrte zur Hütte zurück und bat um einen Abrisshammer. Der Mann holte ihm auch diesen und Hans schlug, stemmte, rüttelte. Doch die Mauer blieb weiterhin unbewegt.
„Ich hab’s dir gesagt“, meinte der Alte, als Hans ihm auch dieses Werkzeug zurückbrachte. „Die Mauer steht schon länger dort, als ich mich erinnern kann.“

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Wer suchet, der findet: Problemlösung durch Beharrlichkeit

Aber damit gab sich Hans nicht zufrieden. Er zog sich eine Zeit zurück und sann über andere Wege nach, die Mauer zu überwinden. Schließlich wagte er einen neuen Anlauf, diesmal nicht, um die Mauer zu bekämpfen, sondern um sie zu verstehen und der Lösung so näherzukommen. Franz hatte sich währenddessen aus dem Gras erhoben, seinen Rucksack geschultert und machte sich mit gesenktem Kopf auf den Rückweg. Hans sah ihm nach, bis er mit dem Horizont verschmolz. Dann widmete er sich wieder der Mauer. Er folgte ihr nach Osten, dann nach Westen. Tage vergingen. Die Sonne kam und ging, und der Weg zog sich, bis das Efeu immer dichter wurde. Er zog seine Handschuhe an und tastete sich durch die grünen Ranken. Schließlich entdeckte er eine Stelle, an der ein alter Baum über die Mauer hinweggewachsen war. Seine Wurzeln hatten die Mauer an einer Stelle porös gemacht, sodass ein schmaler Spalt entstanden war. Hans zwängte sich hindurch und stand auf der anderen Seite.

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Manchmal ist Problemlösung eine Geduldsfrage

Die Mauer war nicht mit Gewalt zu bezwingen gewesen. Eine kleine, unscheinbare Öffnung, hatte sich am Ende als Lösung herausgestellt. Doch sie konnte Hans nur finden, indem er nicht mehr gegen, sondern mit der Mauer gegangen war. Stück für Stück hatte er sie abgewandert, an verschiedenen Stellen nach einem Durchgang gesucht. Es ist nicht immer der offensichtlichste Weg, der die Antwort bringt. Nur wer nicht aufgibt, in Bewegung bleibt und beharrlich weitersucht, findet irgendwann eine Stelle, an der die Steine nachgeben.

Aquarellillustration zweier Wanderer, die vor einer breiten Steinmauer stehen – als Symbol dafür, dass wir Hindernisse überwinden können, wenn wir geduldig und einfallsreich nach Lösungen suchen.

Manchmal stehen wir im Leben vor scheinbar unüberwindbaren Mauern. Oft lassen sich solche Hindernisse nur überwinden, wenn wir geistig (und manchmal auch körperlich) in Bewegung bleiben. Foto: ChatGPT

Meine Gedanken zu scheinbar unüberwindbaren Hindernissen

Wie oft stehen wir vor unseren eigenen Mauern. Jeder landet an einem Punkt in seinem Leben mal in einer festgefahrenen Situation. Jeder hat irgendwann mit inneren Blockaden oder negativen Gedanken zu kämpfen. Meist versuchen wir dann entweder, sie mit aller Kraft zu durchbrechen oder wir setzen uns ins Gras und geben auf. Wer allerdings ruhig bleibt, beobachtet, die Sache aus einer anderen Perspektive heraus beleuchtet und weitersucht, der findet irgendwann auch Auswege. Vielleicht macht neben der Beharrlichkeit auch die körperliche und geistige Bewegung genau den Unterschied aus bei der Frage, ob wir Hindernisse überwinden oder nicht. Wie sagte der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau in seinem Essay „Walking“ bereits im 19. Jahrhundert schon so schön: „The moment my legs begin to move, my thoughts begin to flow.“ „Sobald meine Beine in Bewegung kommen, beginnen meine Gedanken zu fließen.“ Lies hierzu auch meine Nachdenkgeschichte vom Stein im Schuh.

Um frische Ideen zu bekommen und alternative Lösungswege zu finden, ist mein Selbstcoaching-Tool „Der Chancen-Kompass“ sehr hilfreich. Schau ihn dir mal an: Chancen-Kompass ansehen.

Tarot-Reflexion


Diese Nachdenkgeschichte der Mauer zum Thema Hindernisse überwinden trägt die Energie der Tarotkarte „Der Wagen“ in sich. Er steht für Entschlossenheit, Zielbewusstsein und die Kunst, Bewegung auch dann beizubehalten, wenn Hindernisse im Weg stehen. Diese Karte erinnert dich daran, dass wahre Stärke nicht darin liegt, im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sondern die Situation einmal aus anderen Perspektiven zu betrachten und neu anzusetzen.

Aquarellgemälde im Tarotkartenstil: Ein leerer, traditioneller hölzerner Wagen mit Runddach fährt auf einem sandfarbenen Weg nach rechts – in Richtung Zukunft. Der Hintergrund zeigt einen sanften Farbverlauf von hellem Grün zu warmem Türkisblau. Am Himmel leuchten goldene Sterne und ein klarer, runder Vollmond, die Schutz und Orientierung symbolisieren. Links unten wächst etwas Gras am Wegrand. Die Stimmung ist ruhig, hoffnungsvoll und vermittelt Motivation und Bewegung.

Stehst auch du gerade vor einem Hindernis? Dann laden die Geschichte und die Tarotkarte des Wagens dich jetzt dazu ein, dir die folgende Frage zu stellen: An welcher Stelle in deinem Leben kämpfst du gerade frontal gegen eine Mauer an, anstatt dich auf den Weg zu machen, sie mal von anderen Seiten zu betrachten, um alternative Lösungen zu finden?

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