Der Marktbesuch. Eine Nachdenkgeschichte.

Geschichte für Erwachsene zum Nachdenken über die erfolgreiche Partnersuche

Manchmal versuchen wir, besonders gut anzukommen. Wir zeigen uns von einer Seite, von der wir glauben, dass sie anderen besser gefällt, als unsere echte. Nicht aus böser Absicht, sondern oft unbewusst aus dem Wunsch heraus, gemocht zu werden oder niemanden zu enttäuschen. Dabei merken wir gar nicht, dass wir etwas „anbieten“, das nicht wirklich zu uns gehört. Das führt später meist zu Irritation und Enttäuschung mit wenig Zukunftsperspektive und dauernden Spannungen auf beiden Seiten. So ergeht es auch einem jungen Mann in der heutigen Nachdenkgeschichte bei einem scheinbar alltäglichen Marktbesuch.

Der Marktbesuch. Eine Kurzgeschichte zum Nachdenken.

Der Marktplatz war schon am frühen Vormittag belebt. Menschen schlenderten durch die Gänge und schauten sich die Auslagen der einzelnen Stände an. Der Geruch von frischem Brot, Kräutern und reifen Früchten lag in der Luft. Stimmen mischten sich mit dem Klappern von Kisten, irgendwo lachte jemand. Ein junger Mann blieb vor dem Obststand stehen, an dem die Äpfel ihm besonders gut gefielen. Rot, gelb, manche noch mit einem Hauch Grün. Sie glänzten im Licht.

Die Verkäuferin lächelte ihn an und fragte, was er sich wünsche. Der Mann überlegte kurz und deutete dann auf die Stiege mit den grünen Äpfeln. Er bestellte zehn Stück davon. Die Verkäuferin griff nach einer Papiertüte. Während sie die Bestellung zusammenpackte, erzählte sie ihm von ihrer Arbeit auf dem Markt. Vom schönen Frühlingswetter und davon, wie voll es heute um diese Uhrzeit bereits sei. Der Mann sah sich um und nickte zustimmend, bezahlte dann und nahm die Tüte entgegen. Das Papier fühlte sich kühl und fest an in seiner Hand.

Zu Hause angekommen stellte der Mann den Einkauf auf dem Küchentisch ab. Er freute sich auf den ersten Apfel, zog die Tüte an der Öffnung auseinander und schaute erwartungsvoll hinein. Kleine Falten erschienen auf seiner Haut, als er die Augen zusammenkniff und gleichzeitig die Stirn runzelte. Das hatte er nun nicht erwartet: in der Tüte lagen Birnen. Schön grün und fest, so wie auch die Äpfel ausgesehen hatten. Er starrte einen Moment darauf und schüttelte dann den Kopf. Er mochte keine Birnen, sondern Äpfel. Sie hatte er bestellt. Etwas in ihm zog sich zusammen. Es war keine Wut, eher Enttäuschung.

Falsche Erwartungen

Entschlossen nahm er die Tüte wieder an sich und ging zurück zum Markt. Die Verkäuferin erkannte ihn sofort, als er die Tüte auf den Tresen stellte. „Ich hatte Äpfel bestellt“, sagte er ruhig. „In der Tüte sind Birnen, ich möchte sie zurückgeben.“
Die Frau zögerte einen Moment, dann fuhr sie fort: „Das ist schade. Heute wollten so viele Menschen Birnen kaufen, da dachte ich, sie könnten auch Ihnen vielleicht besser schmecken.“

Der Mann hörte zu. „Mag sein“, sagte er. „Aber wenn ich Äpfel sehe und bestelle, dann erwarte ich eigentlich, dass ich Äpfel erhalte.“ Er schob die Tüte ein Stück näher zu ihr. „Es ist seltsam, wenn man etwas mitnimmt, in dem Glauben, es sei das eine, und später erst merkt, es ist etwas ganz anderes. Etwas, das nicht zu einem passt.“
Die Verkäuferin überlegte kurz und nickte dann. „Da haben Sie wohl recht. Die Kunden sind nur zufrieden und glücklich, wenn sie das erhalten, was sie wirklich brauchen.“ Sie nahm die Tüte zurück, stellte sie beiseite und gab dem Mann dafür seine Äpfel. Er bedankte sich und ging davon.

Wer Birnen liebt, sucht nach Birnen

Die Verkäuferin sortierte die Birnen zurück in die passende Kiste und seufzte. In diesem Moment kam ein anderer Mann an den Stand. Er blieb stehen, sah auf die Auslage und seine Augen glänzten. „Ich liebe Birnen!“, rief er. „Könnte mir nichts Besseres vorstellen. Zehn Stück, bitte.“
Die Verkäuferin strahlte und die Birnen landeten eine nach der anderen in der Tüte, die sie dem Kunden anschließend in den Arm drückte. Er trug sie bei sich, als hätten sie dort schon immer hingehört – schon immer zu ihm gehört. Auf dem Heimweg lief er dem Mann mit den Äpfeln über den Weg. Beide lächelten zufrieden vor sich hin.

Aquarellszene eines ruhigen Frühlingsmarkts: Eine Verkäuferin überreicht einem Mann eine geschlossene Papiertüte mit Obst, reduzierte Formen und weiche Farbflächen. Sinnbild für Authentizität bei der Partnersuche.

Echte Verbindung entsteht dort, wo das Angebot dem Inhalt entspricht. Foto: ChatGPT

Meine Gedanken zur Partnersuche

Manchmal entstehen Enttäuschungen und gescheiterte Beziehungen nicht, weil jemand etwas falsch gemacht hat, sondern weil etwas einfach von Anfang an nicht zusammengepasst hat. Wir präsentieren uns in der ersten Phase von einer Seite, von der wir glauben, dass sie besser beim anderen ankommt, gefälliger ist oder weniger aneckt. Nicht aus Berechnung, sondern aus dem Wunsch heraus, angenommen zu werden und diesen Menschen zum Teil unseres Lebens zu machen. Doch wenn wir etwas zeigen, das wir nicht wirklich sind, ziehen wir Menschen an, die genau darauf reagieren – und nicht auf uns selbst.

Wir spielen quasi eine Rolle, ziehen eine Maske auf, was naturgemäß nur über einen begrenzten Zeitraum funktioniert. Irgendwann kommt immer unser echtes Ich ans Tageslicht. Das ist gut so, doch leider kompliziert, wenn wir dann in einer Beziehung stecken, die auf falsche Annahmen gebaut ist. Vielleicht hilft es, sich klar zu machen, dass es nie ein Richtig oder Falsch gibt, sondern immer nur ein Passend oder Unpassend. Ehrlichkeit im Auftreten ist damit kein Risiko, sondern eine Einladung an die Menschen, die uns und unserem Wesen wirklich entsprechen, und eine sanfte Absage an all jene, mit denen eine stimmige Partnerschaft ohnehin nicht möglich wäre. Denn ein dauerhaftes, möglichst harmonisches Match kann nur dort entstehen, wo nichts verborgen bleiben muss. Weder von unser Seite, noch von der unseres Partners.

Tarot-Reflexion


Diese Nachdenkgeschichte des Marktbesuchs trägt die Energie der Tarotkarte „Der Mond“ in sich. Er steht in dieser Erzählung für das, was wir zeigen, ohne es ganz zu sein. Für die feinen Verschiebungen zwischen dem, was wir anbieten, und dem, was tatsächlich dahinterliegt. Unter seinem Licht wirken Dinge oft stimmig, weich und verlockend, bis Nähe entsteht und sichtbar wird, was wirklich enthalten ist. Der Mond erinnert daran, dass Enttäuschung in einer jungen Beziehung oft das Ergebnis einer unklaren Darstellung darüber ist, wer wir wirklich sind und wie wir uns nach außen geben.

Aquarell-Illustration der Tarotkarte Der Mond: Ein heller Vollmond leuchtet über einem blaugrauen Nachthimmel und wirft sein Licht auf ein Meer mit sanftem Wellengang. Auf dem Wasser treibt ein kleines Boot. Am Ufer erhebt sich ein großer steinerner Torbogen, der wie ein Eingang in eine neue Welt wirkt. Im Vordergrund blühen gelbe Rosen.

Diese Erzählung und „Der Mond“ laden dich heute ein, dir die Frage zu stellen: Wo in deinem Leben zeigst du gerade etwas, das du gar nicht bist, aber von dem du hoffst, es kommt besser an. Und was wäre, wenn du stattdessen einfach das anbieten würdest, was wirklich zu dir gehört?

Noch mehr Nachdenkgeschichten für dich:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert