Wut loswerden: Geschichte vom Hasenrucksack

Wut ist schon ein intensives und auch ziemlich merkwürdiges Gefühl. Laut, wenn sie kommt, und bleischwer, wenn du sie nicht mehr loswirst. Manchmal sind wir tagelang wütend und merken gar nicht, wie sehr das unseren Alltag und inneren Frieden belastet. So ergeht es auch dem Hasen Hajo in dieser Nachdenkgeschichte, bis seine Großmutter ihm ein ungewöhnliches Experiment vorschlägt.

Der Hasenrucksack – eine Geschichte zum Nachdenken

Hajo stapfte missmutig durch das herbstliche Laub. Die Sonne warf goldene Flecken auf den Waldboden, doch in ihm brodelte es. Der Hasenlehrer hatte sein Referat bemängelt, der Posthase hatte sein Paket verschlampt und als Krönung hatte ihm das Eichhörnchen ein paar Nussschalen auf den Kopf fallen lassen. Alles schien sich gegen ihn verschworen zu haben. Mit hängenden Ohren und einer ordentlichen Portion Wut im Bauch verschwand Hajo in seinem Bau und knallte die Tür hinter sich zu.

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Kurz darauf tauchte seine Großmutter auf. Sie sagte nichts, setzte sich zu ihm und wartete. Nach einer Weile platzte alles aus Hajo heraus, was ihn geärgert hatte. Die Hasenoma hörte geduldig zu, dann ging sie raus und kehrte kurz darauf mit einem Rucksack und einer Apfeltüte zurück. „Ich möchte einen Kuchen backen“, erklärte sie. „Dafür brauche ich Äpfel, die mindestens drei Tage lang herumgetragen wurden. Nimm sie überall mit hin, setze den Rucksack nicht ab und wenn du schläfst, behalte ihn trotzdem nah bei dir. Hältst du durch, verrate ich dir am Samstag, wie wir deine Wut loswerden.“

Hajos Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Was für ein seltsamer Kuchen sollte das denn werden? Er zögerte, aber am Ende siegte die Neugier und er ließ sich auf die Vereinbarung ein. „Wie viele brauchst du?“, erkundigte er sich.
„Nimm einen Apfel für jeden, der dich wütend gemacht hat. Schreib dessen Namen darauf und lege ihn in den Rucksack.“
Oh, da fiel Hajo eine ganze Menge ein, ohne dass er groß nachdenken musste. In Windeseile waren zehn Äpfel beschriftet und verstaut. Zufrieden sah er die Großmutter an und zog los.

Anfangs schulterte Hajo den Rucksack voll motiviert, doch bereits nach wenigen Stunden wurde er schwerer. Die Last zog ihn immer weiter runter, die Träger schnürten sein Fell ein und schlafen konnte er auch nicht mehr. Am zweiten Tag stieg ihm ein unangenehmer Geruch in die Nase. Er schnüffelte und erkannte als Ursache des Gestanks schnell den Inhalt des Rucksacks. Das Obst begann durch seine Körperwärme, langsam zu verrotten.

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Aktiver Umgang mit Wut im Bauch

Da platzte Hajo der Kragen. Mit Zornesfalten auf der Stirn schleppte er den Rucksack zu seiner Großmutter und warf ihn ihr vor die Pfoten. „Das ist unfair! Der stinkt und wird immer schwerer. Warum muss ich das Ding eigentlich tragen und nicht die anderen? Die sind doch Schuld an meiner Wut!“
„Das ist wahr, aber du kannst sie nicht zwingen deinen Rucksack zu tragen. Du hast ihn dir freiwillig mit den Äpfeln gefüllt und angezogen. Es liegt in deinen eigenen Pfoten, ihn auch wieder zu leeren. Nimm jeden Apfel einzeln heraus und überlege, ob es eine Lösung für das Problem gibt, das deine Wut ausgelöst hat. Wenn ja, dann löse es. Wenn nicht, dann akzeptiere, dass es keinen Ausweg gibt und lehne das Problem wie ein ungewolltes Geschenk ab.“
Hajo blinzelte. „Wie soll ich das denn ablehnen? Die Wut ist einfach da.“
Großmutter nickte. „Stelle es dir bildlich vor. Das Eichhörnchen überreicht dir lachend ein hässliches Paket mit Nussschalen und will, dass du es annimmst. Doch du sagst einfach: ‚STOP, das kannst du behalten. Ich will es nicht!‘. Daraufhin macht das Eichhörnchen ein wütendes Gesicht, dreht sich um und zieht mit dem Paket ab. Mache das immer wieder, wenn die Wut hochkommt, bis sie verschwunden ist. Das funktioniert, weil es den Spieß rumdreht, und den Auslöser innerlich von dir abspaltet.“

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Unterdrückte Wut loswerden: Pack den Rucksack aus

Hajo öffnete den Rucksack und arbeitete Wutauslöser für Wutauslöser auf diese Weise ab. Mit jedem Apfel weniger wurde der Rucksack leichter.
„Hast du dich noch über irgendetwas anderes geärgert?“, erkundigte die Hasenoma sich unschuldig, als Hajo fertig war.
„Nur über Mama. Sie behandelt mich ständig wie ein kleines Häschen, obwohl ich das längst nicht mehr bin.“
Großmutter griff kommentarlos in die große Tüte, zog einen frischen Apfel sowie einen Stift für die Beschriftung hervor und reichte sie Hajo. Der Hasenjunge hielt inne, starrte den Apfel eine Weile an und räusperte sich dann. »Ich will ihn nicht«, antwortete er schließlich entschlossen. „Diese Äpfel machen mir nur das Leben schwer. Ich glaube, ich kläre das besser direkt mit ihr, damit kann ich mir das Apfelschleppen sparen.“ Hajo lächelte zum ersten Mal seit Tagen. Der Wind raschelte in den Bäumen und der Wald erschien ihm deutlich heller als zuvor.

Der braune Hase Hajo sitzt auf einem Waldweg und möchte seine Wut loswerden. Auf seinem Rücken trägt er einen grünen Rucksack, aus dem mehrere rote Äpfel herausschauen. Neben ihm liegt ein einzelner Apfel auf dem Boden. Das Bild ist in sanften Aquarellfarben gemalt und zeigt eine friedliche Waldszene mit weichem Licht zwischen den Bäumen.

Der Hase Hajo ruht sich auf seinem Weg durch den Wald aus. Eigentlich möchte er seine Wut loswerden, stattdessen trägt er die Erinnerung daran die ganze Zeit mit sich herum. Foto: ChatGPT

Meine Gedanken zum Wut loslassen

Wut ist wie ein Gift, das du selbst trinkst und hoffst, dass der andere dadurch umfällt. Wie oft ärgern wir uns im Alltag über etwas, das es nicht wert ist oder das wir ohnehin nicht ändern können. Da ist der rüpelige Autofahrer, der uns die Vorfahrt genommen hat. Der verspätete Paketbote, die Schlange an der Kasse oder der unfreundliche Verkäufer. Sobald wir den uns angebotenen „Zankapfel“ annehmen und in unseren Rucksack packen, schleppen wir ihn herum. So lange, bis wir es irgendwann schaffen, ihn wieder rauszuholen und wegzuwerfen. Der eine belastet uns schwerer, der andere weniger, doch Last bleibt Last. Das ist auf Dauer ganz schön anstrengend. Und von all dem bekommen diejenigen, die deine Wut ausgelöst haben, überhaupt nichts mit. Sie leben ihr Leben ungestört weiter und in dir kocht es.

Wenn ich merke, dass Wut in mir hochkommt, stoppe ich mich selbst sofort und stelle mir die Frage: Was ändert sich, wenn ich mich jetzt darüber aufrege? Ist es das wert? Was habe ich davon, außer dass ich schlecht draufkomme? Vielleicht klingt das für dich etwas schräg, doch mir hilft es wirklich, wenn ich der Person oder dem Schicksal dann verzeihe. Ungefähr so: „Ich vergebe dir! Aber dein vergiftetes Geschenk kannst du behalten, ich will es nicht haben!“

Wenn du deine Wut loswerden willst, denke immer daran: Es ist allein deine Entscheidung, ob du dir die faulen Äpfel anderer Leute aufschwatzen lässt oder lieber lässig abwinkst und sie entschlossen ablehnst.

Tarot-Reflexion


Diese Nachdenkgeschichte vom Hasenrucksack zum Thema Wut loswerden trägt die Energie der Tarotkarte „Der Gehängte“ in sich. Er erinnert daran, dass Loslassen kein Nachgeben ist. Er steht für den Moment, in dem du erkennst, dass die Dinge nicht immer in deiner Macht liegen, aber dein Blick darauf schon. Manchmal braucht es nur eine kleine Pause, ein inneres Umdrehen, um zu verstehen, dass sich der Knoten nicht durch Ziehen löst, sondern durchs Lockerlassen.

Eine Tarotkarte im Aquarellstil zeigt eine friedliche Landschaft mit einem Baum auf einem hellen Feld unter blauem Himmel. An einem Ast hängt eine Person kopfüber, der Kopf ist nicht zu sehen. Die Beine sind übereinandergeschlagen, was der Szene eine ruhige, meditative Ausstrahlung verleiht.

Wenn auch du deine Wut loswerden willst, laden die Geschichte und der Gehängte dich heute dazu ein, dir die folgenden Fragen zu stellen: Wer löst aktuell die größte Wut in dir aus und warum? Gibt es eine Lösung, die in deiner Hand liegt? Wenn nicht: Was wäre, wenn du heute die Stärke aufbringst, die Situation zu akzeptieren, die Wut ziehen zu lassen und dich aktiv positiveren Dingen zuzuwenden?

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