Zufriedenheit: Geschichte vom Loch im Zaun

Zufriedenheit im Leben wünscht sich wohl jeder. Dummerweise haben wir Menschen die Angewohnheit, uns zu vergleichen und unbewusst eine Menge Bewertungen abzugeben. Genau das passiert auch Sarah in dieser Nachdenkgeschichte. Eines Tages entdeckt sie bei der Gartenarbeit ein Loch in ihrem Zaun, durch das sie auf das Nachbargrundstück schauen kann. Was sie auf der anderen Seite sieht, beginnt langsam und unbemerkt ihr eigenes Leben zu verändern.

Das Loch im Zaun – eine Geschichte zum Nachdenken

Der Zaun zwischen Sarahs Garten und dem der Nachbarin war hoch. Er bestand aus einer geschlossenen Fläche, sodass die Grundstücke vor neugierigen Blicken gut geschützt waren. Sarah fragte sich in letzter Zeit immer öfter, was die anderen nebenan wohl so machten. Eines Abends, als sie ihre Blumen in den Beeten goss, fiel ihr Blick auf einen Busch, den sie etwas zu lange nicht gestutzt hatte. Das Grün drückte sich bereits aufdringlich gegen den Zaun. Kurzerhand zückte Sarah die Gartenschere und schnitt einige der Äste ab. Zum Vorschein kam zu ihrer Überraschung ein Loch im Zaun, das ihr bisher verborgen gewesen war. Sie runzelte die Stirn und sah sich nach allen Seiten um. Ein kleiner Blick war ja wohl nicht verboten, entschied sie, trat näher an die Öffnung heran und sah hindurch.

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Auf der anderen Seite saß die Nachbarin in der Abendsonne, die Hände um eine dampfende Tasse Tee gelegt. Neben ihr stand ein kleiner Tisch voller Kräuter und Schnittblumen. Alles wirkte mühelos, harmonisch, beinahe idyllisch. „Na, gut, wenn man Zeit für so etwas hat“, murmelte Sarah. Mit dem Fuß schob sie die Gießkanne beiseite, bis sie umfiel. Schließlich riss sie sich von dem Anblick des Nachbargartens los, versteckte das Loch notdürftig und ging ins Haus.
Die Tage zogen vorbei. Wiederholt kehrte sie zu dem Loch zurück, um die Lage auf der anderen Seite zu checken. Immer, wenn sie selbst keine Ruhe fand, wenn der Alltag sie belastete, wenn ihr irgendetwas misslang, dann wanderte ihr Blick hinüber. Die Nachbarin hatte neue Gartenmöbel gekauft. Später ein großes Sonnensegel. Dann einen kleinen Zierteich, der im Sonnenlicht glitzerte. „Wie kann sie sich das alles bloß leisten?“, überlegte Sarah, wobei ihr eigener Garten, in dem sie sich eigentlich immer wohl gefühlt hatte, ihr plötzlich ungenügend erschien.

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Das Leben der Nachbarin

Die Nachbarin schien sie nie zu bemerken. Zumindest wirkte es so. Eines Nachmittags saß Sarah mit verschränkten Armen am Schreibtisch. Die Büroarbeit stapelte sich, ihr Kopf schwirrte. Statt sich ihren eigenen Baustellen zu widmen, ertappte sie sich erneut dabei, wie sie Richtung Zaun marschierte. Drüben lachte die Nachbarin gemeinsam mit ihrem Besuch über etwas. Vielleicht über sie? Vielleicht über ihre offensichtlichen Unzulänglichkeiten? Darüber, dass sie ein besseres Leben führte? Kerzen brannten, Gläser klirrten.
„Sie hat es viel leichter als ich“, dachte Sarah bitter. „Warum ist es bei mir nicht so?“ Als sie sich dieses Mal in ihrer eigenen Umgebung umsah, erstarrte sie. Was war hier bloß passiert? Die Beete vertrocknet, die Gartenschere lag immer noch draußen auf dem Boden, das Unkraut hatte sich still und heimlich durch die Erde gefressen, so wie der Neid auf die Nachbarin sich in ihr Herz. Wo vorher strahlend violetter Lavendel und leuchtende Rosen standen, beherrschten nun fahl gewordene Farben das Gartenbild. Wie lange hatte sie nicht mehr für den Garten gesorgt – für sich selbst gesorgt?

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Rückbesinnung aufs eigene Leben

Am nächsten Morgen trat Sarah entschlossen auf die Terrasse. Sie krempelte die Ärmel hoch, schnitt zurück, räumte auf, setzte neue Pflanzen. Es war mühsam und sie schwitzte, außerdem hatte sie keine Ahnung, ob irgendetwas davon gelingen würde. Aber zum ersten Mal seit Wochen schaute sie nicht durch das Loch im Zaun, sondern auf ihr eigenes Leben und darauf, wie sie es gerne hätte. Sie sah auf das, was sie ändern konnte. Auf das, was in ihrer Hand lag.
In den Abendstunden saß Sarah auf ihrem frisch gereinigten Gartenstuhl, die Hände um eine dampfende Tasse Tee gelegt. Die untergehende Sonne fiel warm auf die Hecke. In ihr wurde es still und sie lächelte. „Wer auf andere starrt und ihnen ihr Leben neidet, verpasst am Ende nur das eigene“, dachte sie, nahm einen Schluck Tee und schloss zufrieden die Augen.

Aquarellillustration einer Frau, die durch ein kleines Loch in einem Gartenzaun auf das Nachbargrundstück schaut. Symbolbild dafür, wie wir mehr Zufriedenheit im Leben fühlen, wenn wir aufhören, uns mit anderen zu vergleichen und den Fokus wieder auf das eigene Leben richten.

Wer ständig durch das „Loch im Zaun“ ins Leben anderer schaut, wertschätzt oft das eigene nicht mehr. Wir ziehen mehr Zufriedenheit an, sobald wir aufhören, uns zu vergleichen und stattdessen dorthin schauen, wo wir wirklich gestalten können. Und das ist bei uns selbst. Foto: ChatGPT

Meine Gedanken zur Zufriedenheit im Leben

Manchmal verlieren wir den Blick für unser eigenes Leben, weil wir zu lange auf das der anderen schauen. Wir vergleichen, bewerten, interpretieren und merken gar nicht, wie sehr wir unsere eigene Welt in dieser Zeit vernachlässigen. Auch Sarah fühlt sich nicht schlecht, weil ihr Garten schlecht ist, sondern weil sie sich ständig anschaut, was sie nicht hat. Das vermeintlich perfekte Leben anderer wirkt allerdings meist nur deshalb so makellos, weil wir es durch ein winziges, verzerrtes Loch im Zaun wahrnehmen. Zufriedenheit im Leben entsteht erst, wenn wir den Fokus wieder auf uns selbst richten und uns fragen: Was brauche ich, damit es mir gut geht? Wenn wir wechseln vom Außen zum Innen, vom Mangel zum Vorhandenen, vom Vergleich zur Selbstfürsorge. Das Loch im Zaun ist dann nicht mehr verführerisch, es wird stattdessen bedeutungslos. Wer aktiv beginnt, in seinem eigenen Garten aufzuräumen, merkt plötzlich, dass dort viel mehr Möglichkeiten liegen als hinter jedem Zaun, durch den wir heimlich spähen.

Tarot-Reflexion


Diese Nachdenkgeschichte vom Loch im Zaun zum Thema Zufriedenheit im Leben trägt die Energie der Tarotkarte „Fünf der Münzen“ in sich. Sie erinnert daran, wie schnell wir uns selbst in einen Zustand des Mangels denken können. Nicht, weil uns tatsächlich etwas fehlt, sondern weil wir den Blick unbewusst auf das richten, was andere haben. Die Fünf der Münzen zeigt, dass der Mangel oft nur eine Frage der Perspektive ist. Sie lädt dich ein, deinen Fokus bewusst zu verändern: weg vom Vergleich, hin zu dem, was in deinem Leben bereits da ist und weiter wachsen darf. Denn innere Fülle entsteht meist nicht durch Besitz, sondern durch bewusste Dankbarkeit und die Konzentration auf das, was du selbst bewegen kannst.

Aquarell-Tarotkarte „Fünf der Münzen“: Zwei Menschen stehen traurig vor einem leuchtenden Fenster, Symbol dafür, dass Mangel oft im Blickwinkel entsteht und wir Zufriedenheit im Leben entdecken können, wenn wir unseren Fokus verändern.

Fragst du dich gerade auch, warum es bei anderen besser läuft als bei dir? Dann laden die Geschichte und die Tarotkarte dich jetzt dazu ein, dir die folgende Frage zu stellen: Wo richtest du deine Aufmerksamkeit gerade auf das, was andere haben? Und was verändert sich in dir, wenn du wieder dorthin schaust, wo deine eigenen Möglichkeiten liegen?

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