Sunk Cost Fallacy – Grund für Fehlentscheidungen

Hast du dich mal gefragt, warum wir Dinge oft fortführen, obwohl es vernünftiger wäre, sie aufzugeben? Nein? Noch nie drüber nachgedacht? Nun, dann stehst du schon mit dem ersten Fuß in der Rückblickfalle – der Sunk Cost Fallacy. Sie ist oft dafür verantwortlich, dass wir schlechte Entscheidungen treffen. Sind wir uns dieses Denkfehlers nicht bewusst, schaltet sich nämlich unbemerkt unser innerer Autopilot ein und übernimmt das Steuer. Am Ende tragen wir die Fehler der Vergangenheit mit in die Zukunft und wundern uns, wieso die Lage immer verfahrener und der Mühlstein um unseren Hals immer schwerer wird.

Podcast und YouTube-Video enthalten die zu diesem Beitrag passende Nachdenkgeschichte »Die Brücke«

Was ist die Sunk Cost Fallacy?

Zuerst einmal eine Erklärung der Sunk Cost Fallacy in einem Satz: Tappen wir in diese Falle, halten wir an Entscheidungen fest, nur weil wir bereits viel hineingesteckt haben. Das machen wir natürlich nicht bewusst, sondern leider vollautomatisch. Diese sogenannte kognitive Verzerrung ereilt jeden von uns, wenn wir sie uns nicht aktiv vor Augen führen.

Ich nenne die Sunk Cost Fallacy (Versunkene-Kosten-Falle) lieber Rückblickfalle, da es hierbei nicht ausschließlich um Kosten im Sinne von Geld geht, sondern um von uns geleistete Aufwendung jeder Art. Der unreflektierte Rückblick darauf beeinflusst unser Urteilsvermögen ziemlich stark – insofern wir nicht gegensteuern. Der bereits getätigte Aufwand kann finanzieller Natur sein, aber die Faktoren Zeit, Mühe und Gefühle spielen eine ebenso tragende Rolle. Kurz gesagt: Wir neigen dazu, eine Sache fortzuführen, wenn wir bereits Geld, Energie oder anderweitige Anstrengung dafür eingesetzt haben – völlig unabhängig davon, wie erfolgversprechend sie zukünftig ist​. Wir haben also keinen objektiven Blick mehr darauf und treffen so oftmals nicht gerade die besten Entscheidungen.

Warum ist die Sunk Cost Fallacy ein Problem?

Die Sunk Cost Fallacy führt dazu, dass wir unlogische Entscheidungen treffen, die eigentlich gar nicht in unserem Interesse sind. Wir lassen uns von der Vergangenheit leiten und blenden das aktuelle und zukünftige Kosten-Nutzen-Verhältnis quasi aus. Das kann zu einem Teufelskreis führen, in dem wir immer mehr in eine Sache reinbuttern, die bereits zum Scheitern verurteilt ist.

Eine blonde Frau mit rosa Brille und Blümchenbluse schaut schockiert drein, als sie die Sunk Cost Fallacy versteht.

Sunk Cost Fallacy erkennen: Durch die Rückblickfalle führen wir Projekte oder Entscheidungen aus der Vergangenheit oft aus den falschen Gründen fort. Foto: Jalal Sheikh / pixabay

Beispiele für Sunk Cost Fallacy im Alltag

Die Rückblickfalle lauert in nahezu allen Lebensbereichen. Die wichtigsten Felder sind wohl für die meisten Menschen Partnerschaft, Freizeit, Arbeit, Gesundheit und Finanzen. Hier einige konkrete Beispiele der Sunk Cost Fallacy im Alltag:

Sunk Cost Fallacy in Beziehungen

„Jetzt sind wir schon so lange zusammen …“ Kommt dir der Satzbeginn bekannt vor? Der denkbar schlechteste Grund, das Leben miteinander zu verbringen, ist wohl der, dass die Partnerschaft bereits lange besteht. Tief in unserem Inneren wissen wir das vielleicht. Doch kann die Rückblickfalle dafür sorgen, dass wir uns aus ungesunden oder gar toxischen Beziehungen trotzdem nicht lösen – es sei denn wir hinterfragen unsere Entscheidung konkret mit Blick auf die Sunk Cost Fallacy.

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Die Rückblickfalle in der Freizeit

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Gaming-Bereich: Viele Spiele und Gratis-Apps sind darauf ausgelegt, dass Nutzer Geld investieren, um schneller voranzukommen oder zusätzliche Features freizuschalten. Hat man erst einmal Geld investiert, fällt es schwer, damit aufzuhören und die App wieder zu löschen, selbst wenn sie uns irgendwann nicht mehr guttut, zu viel Zeit stiehlt und negative Effekte auf unser Leben hat. Weitere Schauplätze sind:

Hobbys und Sammelleidenschaften: Wenn man bereits viel Geld und Zeit in ein Hobby investiert hat, sei es Modellbau, Sammelkarten oder Bastelprojekte, fällt es schwer, damit aufzuhören, selbst wenn das Interesse nachlässt.

Abonnements und Mitgliedschaften: Ob es sich um Streaming-Dienste, Zeitschriftenabonnements, das Fitnessstudio oder andere Mitgliedschaften handelt: Haben wir einmal dafür bezahlt, fällt es schwer, diese zu kündigen, selbst wenn wir die Dienste gar nicht mehr nutzen.

Filme, Bücher, Klamotten & Co.: Hast du dich schon mal bis zum Schluss durch ein echt schlechtes Buch oder einen miesen Film gekämpft, nur weil du ihn schon angefangen hattest? Oder ein unbequemes Kleidungsstück getragen (alternativ im Schrank vergraben, statt es zurückzugeben), einfach nur, weil es teuer war? Gerade Entscheidungen, wie die zuletzt erwähnte, führen oft zu weiteren unangenehmen Erfahrungen und der Verschwendung von Zeit und Geld.

Ein Mann schleppt einen schweren Koffer: Ein Sinnbild für zu viel Gepäck aus der Vergangenheit.

Unnötig schweres Gepäck auf unserem Lebensweg: Durchschauen wir die Sunk Cost Fallacy, sind wir zukünftig in der Lage, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen und den Ballast abzuwerfen. Foto: andreas160578 / pixabay

Sunk Cost Fallacy im Job

Schon lange in der Firma, aber unglücklich? Viele Menschen bleiben in einem unzufriedenstellenden Job, weil sie viel Zeit und Mühe darin investiert haben. Dabei kann es sich lohnen, neue Optionen zu prüfen und die Komfortzone zu verlassen. Die gesammelte Erfahrung ist dabei keineswegs verloren, sondern kann in neuen Herausforderungen wertvoll sein. Auch die Beibehaltung eines einmal begonnen Studiengangs, obwohl er sich nicht als das entpuppt, was man sich erhofft hatte, ist ein Klassiker. Je länger wir hier am falschen Weg festhalten, desto übler für unsere ganze Karrierelaufbahn und vor allem für unsere Lebensqualität.

Die Rückblickfalle bei Gesundheitsfragen

Brauchen wir eine ärztliche Behandlung, neigen wir dazu, sie weiterzuführen, selbst wenn die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückbleiben. Ein Arztwechsel fällt schwer, weil wir schon „so lang“ dort sind. Hier ist es wichtig, objektiv die aktuellen Ergebnisse zu betrachten und gegebenenfalls eine neue Richtung einzuschlagen.

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Sunk Cost Fallacy in der Wirtschaft, bei Investments und Finanzen

In Aktien, Fonds oder Kryptowährungen investiert? Wenn die Kurse fallen, halten viele trotz schlechter Prognosen an ihrem Investment fest, anstatt die Reißleine zu ziehen (Stop Loss). Um kluge Anlageentscheidungen zu treffen, ist es wichtig, die Sunk Cost Fallacy immer vor Augen zu haben und Entscheidungen basierend auf aktuellen Informationen und Marktsituationen zu treffen. Auch Unternehmer können der Rückblickfalle zum Opfer fallen, indem sie weiterhin an Projekten festhalten, die eigentlich keine Zukunft haben. Ein bekanntes Beispiel ist hier die Concorde. Das Überschallflugzeug war trotz offensichtlicher finanzieller Misserfolge (zu hohe Betriebskosten, zu hohe Ticketpreise) viele Jahre im Einsatz. Die britische und französische Regierung hatte hier sehr viel Geld investiert. Erst ein schlimmer Unfall der Air France im Jahr 2000 beendete das Projekt.

Ein Schaf steht auf einer Wiese und schaut zurück: Ein Sinnbild für die Rückblickfalle (Sunk Cost Fallacy)

Blicken wir nicht zurück, wieviel Energie und Geld wir bereits in etwas investiert haben. Sondern schauen wir uns lieber an, wie erfolgsversprechend ein Weiterführen der Sache für die Zukunft ist. Foto: Efraimstochter / pixabay

Selbstcoaching: Wie vermeidet man die Sunk Cost Fallacy?

Um die Sunk Cost Fallacy zu vermeiden, ist es wichtig, bewusste Entscheidungen zu treffen und deren mögliche Auswirkungen auf die Zukunft zu bewerten. Mit den folgenden Selbstcoaching-Fragen entlarvst du die Rückblickfalle sehr schnell und sorgst dafür, dass deiner cleveren, rationalen Entscheidungsfindung nichts mehr im Wege steht:

1) Warum willst du das angefangene Projekt fortsetzen beziehungsweise an deiner früher getroffenen Entscheidung festhalten? Beschreibt deine Antwort hauptsächlich bereits getätigte Aufwendungen, dann fahre mit Frage 2 fort. Falls nicht, scheint deine Entscheidung auf zukunftsfähigen Beinen zu stehen. Weiter so!

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2) Hättest du das Projekt noch nicht begonnen, würdest du mit deinem heutigen Wissen jetzt damit starten? Bist du dir unsicher, fahre mit Frage 3 fort. Lautet deine Antwort JA, scheinst du gute Gründe zu haben, an den zukünftigen Projekterfolg zu glauben. Wunderbar!

3) Warum sollte das Projekt in der Zukunft erfolgreich verlaufen, obwohl das in der Vergangenheit nicht der Fall war? Was wirst du anders machen? Fällt dir nichts Brauchbares dazu ein, ist es wahrscheinlich cleverer, die Reißleine zu ziehen und die Sache einzustampfen – oder sie zumindest erst einmal auf Eis zu legen. Du läufst ansonsten Gefahr, immer mehr Kosten und/oder Energie darin zu versenken. Neues Spiel, neues Glück. Hast du aussichtsreiche Ideen oder strategische Änderungen für einen erfolgreichen Projektverlauf, dann gib der Sache vielleicht eine zweite Chance und GO FOR IT!

Mit diesen Erkenntnissen und Selbstcoaching-Fragen bist du bestens gerüstet, um die Sunk Cost Fallacy in Zukunft zu vermeiden. Werde dir deiner Entscheidungsprozesse bewusst und frage dich immer, ob deine Gründe auf zukünftigen Vorteilen oder auf vergangenen Aufwendungen basieren. So kannst du sicherstellen, dass du vorausschauend und wirklich in deinem Interesse handelst. Viel Erfolg und Spaß dabei!

Ich hoffe, ich konnte ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Zu diesem Thema habe ich auch eine Nachdenkgeschichte geschrieben: Die Brücke – schlechte Entscheidungen.

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