Die Brücke – schlechte Entscheidungen treffen

Suchst du auch eine Antwort auf die Frage, warum wir manchmal schlechte Entscheidungen treffen?

Bauer Bert hat eine Brücke gebaut, die ihn schneller zu seinen Feldern führen soll, doch die unbarmherzige Strömung des Flusses macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Trotz wiederholter Reparaturen steht er immer wieder vor dem gleichen Problem. Eines Tages begegnet er einem Wanderer, der ihm eine andere Lösung vorschlägt. Doch wird Bert auf den Rat des Fremden hören oder weiterhin an seiner ursprünglichen Entscheidung festhalten?

War der Brückenbau eine schlechte Entscheidung?

Bauer Bert lebte an einem malerischen Fluss. Um seine Felder auf der anderen Seite des Wassers zu erreichen, baute er eine Brücke direkt hinter seinem Haus. Die Stelle erschien ihm ideal, da sie den kürzesten Weg zu seinen Feldern bot. Doch schon bald stellte sich heraus, dass die Strömung des Flusses genau an dieser Stelle besonders stark war. Einige Zwischenstreben der Brücke standen ständig im Wasser und wurden von der Strömung untergraben. Die Brücke musste regelmäßig repariert werden, was Bert viel Zeit und Geld kostete.

Bert hatte sich bei der Wahl des Standorts für die Brücke stark von der Bequemlichkeit leiten lassen. Die Nähe zum Haus schien zunächst der wichtigste Faktor zu sein, doch hatte er die Naturkräfte des Flusses dort offensichtlich unterschätzt. Bert ärgerte sich über die immer wiederkehrenden Probleme und investierte weiterhin Zeit und Geld in die Aufrechterhaltung der Brücke. Er hatte ja keine andere Wahl, oder?

Bauer Bert steht vor seiner zerstörten Brücke und hinterfragt seine Entscheidung

Ein Wanderer empfiehlt dem Bauern Bert den Neubau der Brücke an einer anderen Stelle, doch Bert hält bis zum bitteren Ende an dem alten Bauprojekt fest. Foto: ChatGPT

­Eines Tages kam ein Wanderer des Weges, der sich als Architekt im Ruhestand vorstellte. Er betrachtete die Brücke und sagte zum Bauern: „Ich sehe, dass du viel Mühe in diese Brücke gesteckt hast. Aber die Strömung des Flusses an dieser Stelle ist sehr stark und untergräbt die Mittelstreben mit der Zeit. Nur einige Meter flussabwärts gibt es eine Stelle, wo die Strömung viel schwächer und das Gewässer ruhiger ist. Dort würde die Brücke sicher stabiler stehen als hier. Damit wären die ständigen Reparaturen zukünftig nicht mehr nötig.

Bauer Bert stellt den Vorschlag des Architekten in Frage

­Der Bauer hörte dem Architekten aufmerksam zu. Seine Empfehlung klang durchaus sinnvoll, trotzdem war Bert hin- und hergerissen. Einerseits erkannte er zwar die Logik des Vorschlags, andererseits hatte er nun schon so viel Geld und Zeit in die bestehende Brücke investiert. Die Vorstellung, sie abzureißen und an einer neuen Stelle von vorne zu beginnen, war für ihn nur schwer vorstellbar. So entschied er sich, an der alten Brücke festzuhalten und sie weiterhin zu reparieren, wenn sie instabil wurde. Es wäre doch Verschwendung, die bisher eingesetzte Zeit und die aufgelaufenen Kosten einfach aufzugeben, dachte er.

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Folgen schlechter Entscheidungen: Die Brücke bricht zusammen

Monate später bereitete die Brücke dem Bauern immer mehr Probleme. Sie war durch die ständige Flickerei noch baufälliger geworden und die Reparaturen teurer und aufwändiger. Inzwischen hatte Bert noch mehr Arbeit und Geld hineingesteckt und war dadurch immer weniger bereit, das Projekt zu beenden. Eines Tages, nach einem besonders heftigen Sturm, brach die Brücke schließlich vollständig zusammen. Bauer Bert war am Boden zerstört und sah sich gezwungen, seine Felder über einen sehr großen Umweg über das nächste Dorf anzusteuern, was viel Zeit und Mühe kostete.

Bauer Bert steht mit einem Architekten im Ruhestand am Fluss und lässt sich erklären, warum der Brückenbau an dieser Stelle zu den schlechten Entscheidungen zählt.

Wäre der Bau einer neuen Brücke etwas weiter den Fluss hinauf wirklich eine langfristig besser Alternative? Bauer Bert ist sich unsicher und erliegt dem Denkfehler der Sunk Cost Fallacy, ohne es zu bemerken. Foto: ChatGPT

Neue Brücke, neues Glück

In seiner Verzweiflung erinnerte sich der Bauer an die Worte des Architekten. Er beschloss, eine neue Brücke an der empfohlenen Stelle flussabwärts zu bauen. Und tatsächlich stellte sich heraus, dass die neue Brücke viel stabiler war und kaum Wartung benötigte. Eines Abends saß er mit einem Freund vor seiner Hütte im Sonnenuntergang und erinnerte sich an die unzähligen Stunden, die er mit der Brückenreparatur verbracht hatte und an die vielen Nächte, in denen er vor lauter Sorge nicht richtig schlafen konnte. Jetzt, wo die neue Brücke stand und die täglichen Überquerungen reibungslos verliefen, konnte er sehen, wie sehr seine ursprüngliche Entscheidung, an der alten Brücke festzuhalten, seine Lebensqualität beeinträchtigt hatte. Er fragte sich, warum er überhaupt so lange darauf beharrt hatte, obwohl ihm im Grunde klar gewesen war, dass die Entscheidung nicht auf zukunftsfähigen Beinen stand.

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Der Freund nahm einen Schluck aus seinem Bierkrug. „Du bist der Sunk Cost Fallacy zum Opfer gefallen“, sagte er.
„Der Sunk Cost Fallacy?“, Bert runzelte die Stirn. „Was soll das sein? Eine neue Obstsorte?“
Der Freund lachte. „Nein, sowas ist es leider nicht, sondern ein weit verbreiteter Denkfehler, der wirklich ausnahmslos jeden betreffen kann. Er besagt, dass Menschen von Natur aus dazu neigen, an einmal getroffenen Entscheidungen festzuhalten, wenn sie bereits viel investiert haben. Das kann Geld sein, Zeit, Arbeit oder auch Gefühle. Und kein Lebensbereich ist davor sicher. Bei dir war es jetzt der Brückenbau.“
„Unser Unterbewusstsein spielt uns also einen Streich und verleitet uns dazu, schlechte Entscheidungen nicht mehr objektiv zu betrachten?“
Der Freund nickte. „Genau, es beeinträchtigt quasi unser Urteilsvermögen.“
„Mmh,“ Bert kratzte sich am Kopf. „Und wie kann ich das in Zukunft verhindern?“

Bauer Bert geht bei Sonnenuntergang den Fluss entlang und reflektiert schlechte Entscheidungen beim Brückenbau.

Bert fragt sich, wie er die kognitive Verzerrung der Sunk Cost Fallacy zukünftig umgeht und bessere Entscheidungen für die Zukunft trifft. Foto: ChatGPT

Schlechte Entscheidungen vermeiden

„Es ist nicht ganz leicht, aber es gibt ein paar Strategien“, antwortete der Freund. „Erstens: Sei dir dieser Denkfalle bewusst und frage dich immer wieder, ob du eine Entscheidung nur triffst, weil du bereits viel investiert hast, oder ob es noch andere Gründe gibt. Zweitens: Suche nach objektivem Feedback von anderen Leuten – jemand, der nicht emotional mit der Sache verbunden ist, sieht die Dinge oft klarer. Drittens: Setze dir von Anfang an klare Ziele und überprüfe regelmäßig, ob die getroffenen Entscheidungen diesen Zielen noch entsprechen, und sei bereit, loszulassen, wenn das nicht mehr der Fall ist. Manchmal ist es einfach besser, einen Verlust zu akzeptieren und neu zu beginnen, als stur an etwas festzuhalten, das nicht funktioniert.“

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Mit der Zeit wurde die Geschichte des Bauern und der Brücke zu einer lehrreichen Legende. Die Dorfbewohner erinnerten sich daran, wenn sie vor schwierigen Entscheidungen standen, und nutzten sie als Leitfaden, für eine klügere und rationalere Bewertung der Situation. Bauer Bert war stolz, dass seine Erfahrung anderen half, und fand Frieden in dem Wissen, dass er letztlich doch noch die richtige Wahl getroffen hatte.

Es ist nie zu spät, schlechte Entscheidungen zu hinterfragen

Die Geschichte des Bauern Bert und der Brücke zeigt uns, welche Auswirkungen es haben kann, in die Sunk Cost Fallacy zu tappen. Aber es ist nie zu spät, eine schlechte Entscheidung zu überprüfen und einen anderen Weg einzuschlagen. Egal, wie viel Kraft, Geld und Tränen wir bereits in etwas investiert haben: Schauen wir bei anstehenden Entscheidungen nicht zurück, sondern nach vorne, um einen zukunftsorientierten Beschluss basierend auf den besten verfügbaren Informationen zu fassen.

Schau dir zu diesem Thema auch meinen Blog-Beitrag an, in dem ich die Sunk Cost Fallacy ausführlich erkläre: Sunk Cost Fallacy – der Grund für Fehlentscheidungen

Weitere Geschichten und Fabeln zum Nachdenken auf meinem Blog:

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